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Fragen/Berichte von Bauherren/-frauen "luftdicht" - ist das denn überhaupt gut?

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Alt 05.02.2017, 16:25   #1
clbeuth
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Registriert seit: 05.02.2017
Ort: Berlin
Beiträge: 2
Standard Luftdichtheit eines Depotgebäudes

Hallo!

Im Rahmen meiner Masterarbeit an der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin (Studiengang Gebäudetechnik und Energiemanagement) habe ich eine dynamische Simulation eines Depotgebäudes durchgeführt. Das Gebäude hat keine Fenster und alle Innentüren sind rauchdicht, und außer den zwei Notfallausgangstüren, die auch rauchdicht sind, gibt es keine Öffnungen nach Außen. Insofern ist der Luftwechsel durch Infiltration extrem gering abzuschätzen, was auch dem Ziel der Planung dieses Sondergebäudes entspricht.

Im Laufe der Arbeit hatte ich allerdings ständig Probleme und Fragen wegen der Luftdichtheit dieses Gebäudes. Da ich nun in dem Planungsbüro an dem Projekt weiter arbeite und versuche, den Lüftungskonzept zu optimieren, habe ich nach anderen Arbeiten gesucht, wo dieses Thema auch behandelt wird, und so bin ich auf diese Website gekommen.

Kurzum: Kann eine Wand absolut luftdicht sein? Ein Gebäude? d.h. ist das realistisch, wenn durch extrem kleinen Infiltrationsfläche die Luftwechselrate durch Infiltration gegen Null neigt? Würden Sie es für realistisch halten, wenn sich dadurch die absolute Feuchte in den Räumen überhaupt nicht ändert sondern konstant bleibt? (innere Feuchtequelle werden erstmal ignoriert)

Haben Sie schon Messungen in einem ähnlichen Gebäude durchgeführt?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldungen.

Mit freundlichen Grüßen
clbeuth ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.02.2017, 13:41   #2
C. Burkhardt
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Registriert seit: 24.03.2016
Ort: Neumarkt in der Oberpfalz, Bayern
Beiträge: 65
Standard

Hallo!

Nun ja, kein Gebäude ist zu 100% luftdicht.
Da Hallen mit zunehmender Größe ein immer günstigeres A/V-Verhältnis erreichen, ist der auf das Gebäudeluftvolumen bezogene Luftwechsel durch Infiltration aber in der Tat relativ gering. Bei solchen Gebäuden wird daher die Luftdurchlässigkeit q50 der gesamten luftdichten Hüllfläche (innen und einschließlich Boden) bei der Luftdichtheitsprüfung betrachtet - schreibt die EnEV auch mittlerweile so vor.

Große Gebäude mit "normaler luftdichter Konstruktion" liegen in der Praxis meist etwa im Bereich q50 <= 2,0 m³/m²h.
Betreibt man an Toren und Bauteilanschlüssen etwas mehr Aufwand bezüglich der Luftdichtheit, sind Werte für die Luftdurchlässigkeit der Hüllfläche im Bereich q50 <= 1,0 m³/m²h erreichbar, siehe zum Beispiel folgende Seite von Kollegen: http://www.blower-door-weltrekord.de/de_ergebnis.php.

Luftdichte Grüße
__________________
Luftdicht, was sonst?
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Alt 07.02.2017, 22:52   #3
clbeuth
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Ort: Berlin
Beiträge: 2
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Guten Abend,

vielen Danke für den Beitrag.

Die Kollegen mit dem Weltrekord konnten ja einen q50-Wert von ≈1m3/m2h messen.
Umgerechnet in l/m2s macht das ≈0,28l/m2s, und dieser Wert scheint mir unrealistisch für ein Depotgebäude. Man muss sich vorstellen, es ist z.B. ein Raum mit 4 dicken Beton-Wänden (mit Dämmung insgesamt ≈0,4m dick), ohne Fenster und irgendwo an einer Wand steht eine rauchdichte Tür. Daher kann ich erstmal nicht nachvollziehen, woher 0,28l Luft pro Sekunde und m2 herkommen sollen (alleine durch die Wand ist doch unrealistisch oder??) und deshalb würde ich dazu neigen, die Luftwechselrate viel niedriger einzuschätzen. Wie klein diese wirklich ist, ist halt die Frage..

Bis jetzt konnte ich leider sehr wenig im Internet finden bezüglich extremer Luftdichtheit in einem Depotgebäude. Oder mit Werten, die wiederum mir sehr hoch erscheinen (wie hier beim Depotneubaus des Ruhr Museums Zollverein, geplant war 0,1 1/h und gemessen vor Verbesserungen wurde 0,15 1/h).

Die Frage beschäftigt mich, weil im simulierten Model die Infiltration von Außenluft die absolute Feuchte im Raum verändert (es sei denn höhere Zu- und Abluftvolumenströme für die RLT werden eingesetzt), und ich stelle mir die Frage, wie klein kann ich die Infiltrationsfläche modellieren.

Ein Gebäude kann nie 100% dicht sein, aber wie nah kann man daran kommen? Welche Parameter spielen dann noch einen Einfluss, wenn gar keine Fenster und sonstige Öffnungen vorhanden sind?

Es würde mich sehr freuen, wenn jemand ein solches Gebäude schon untersucht hätte und von den Ergebnissen hier kurz berichten möchte.

Viele Grüße aus Berlin
clbeuth ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.02.2017, 00:51   #4
C. Burkhardt
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Registriert seit: 24.03.2016
Ort: Neumarkt in der Oberpfalz, Bayern
Beiträge: 65
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Guten Abend,

wenn Boden, Wände und Decke eines Raums komplett betoniert sind, wird es schon langsam sehr schwierig, eine Leckagerate abzuschätzen. Betonbauteile gefertigt nach DIN 1045-2 sind komplett luftdicht. Insofern ist die Annahme schon einmal richtig, dass die Luftwechselrate durch Infiltration extrem gering sein kann.

Entscheidend sind aber dann die "kleinen Details", die Einbauten in Boden, Wänden und Decke:

Rauchschutztüren sind da wahrscheinlich noch am besten abschätzbar - hier gibt es Dichtheitsklassen.

Die großen Unbekannten sind aber dann die Durchführungen von Kabeln, Lüftungsleitungen und sonstige Leitungen. Diese Kleinigkeiten können erhebliche Leckagen verursachen. Es kommt da entscheidend auf die Planung und die Bauausführung an. Im Zuge eines Blower-Door-Tests lassen sich manche Leckagestellen leicht nachbessern - aus der Messpraxis an Serverräumen oder Reinräumen fallen mir hierzu offen gelassene Leerrohre oder Leckagen um Wanddurchführungen von Lüftungsleitungen ein. Meist befinden sich solche Leckagen an Stellen, die hinterher niemand mehr sieht, z.B. über abgehängten Decken oder in Doppelböden.
Die üblichen Wanddurchführungen ganzer Kabelbrücken voller Kabel auf einmal im Bündel lassen sich aber nie zu 100% abdichten. Zwischen den Kabeln kann erheblich Luft hindurchströmen - brandschutztechnisch in der Regel OK aber nicht luftdicht.

Eine pauschale Aussage, wie dicht ein Gebäude oder ein Raum maximal sein kann, kann man meiner Ansicht nach deshalb nicht treffen. Es sind maximal vorsichtige Abschätzungen unter Berücksichtigung der gewählten Konstruktionsweisen möglich, wenn keine Erfahrungen aus vorangegangenen Projekten vorhanden sind. Im Zweifel mit etwas mehr Sicherheit ...

Luftdichte Grüße
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Luftdicht, was sonst?
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