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Fortbildung Welche Forbildungsangebote gibt es?

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Alt 27.06.2012, 20:13   #1
bdr53227
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Standard Zertifizierungsfragen

Ich bereite mich gerade auf die FliB-Zertifizierung vor. Dazu habe ich mir auch mal den Fragenkatalog kommen lassen. Auch wenn mir bei der Zertifizierungsvorbereitung beim EUZ gesagt wurde, diese Fragen seien nur grobe Anhaltspunkte, finde ich diese doch recht interessant.
Allerdings gibt es tatsächlich ein paar Fragen die ich einfach nicht verstehe bzw. nicht beantworten kann. Bestimmt kann mir hier jemand dazu eine Antwort geben.

1. Was ist die druckneutrale Zone an einer Fassade?
(Hier verstehe ich die Frage nicht wirklich. Generell würde ich sagen die Bereiche, zwischen Luv- und Leeseite)

2. Für ein Gebäude mit einem Raumluftvolumen von 300 m³ wird eine Luftwechselrate n50 bei 50 Pascal von 3,1 1/h gemessen. Bei einer Leckagesuche wird in der Gebäudehülle auf einer Fläche von 500 cm² ein Bereich entdeckt, in dem eine zur Gebäudehülle senkrechte Strömungsgeschwindigkeit von 2 m/s vorhanden ist. Besteht die Aussicht, dass nach Abdichtung dieser Leckage die Luftwechselrate bei 50 Pa n50 unterhalb von 3,0 1/h liegt und wie groß ist der voraussichtliche Wert?

3. Bei der Messung eines fertiggestellten Hauses zieht es im Dachgeschoß aus allen Öffnungen in der Gipskartonbekleidung (z.B. an den Lampenauslässen). Wie ist zu verfahren?

4. Welchen Größenordnungbereich kann der Strömungsexponent n annehmen? Welche Einheit hat er?

5. Worauf deutet ein großer (kleiner), aber zuverlässiger Strömungsexponent hin?

Diese 5 von insgesamt 100 Fragen nerven mich jetzt schon seit Monaten. Weder im Buch "Gebäude Luftdichtheit Band1", noch aus meinen anderen Unterlagen und auch nicht bei Google konnte ich bis jetzt eine vernünftige Antwort dazu finden. Auch 2 Kollegen waren da eher ratlos.
Wäre wirklich toll, wenn mir jemand unter die Arme greifen könnte.

Vielen Dank schon mal im Voraus.

Geändert von bdr53227 (27.06.2012 um 20:19 Uhr).
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Alt 01.07.2012, 17:01   #2
H. Trauernicht
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Böse Zu Frage 2

Ich versuche mal bei Frage 2 zu antworten:

Bei dem Wert n50=3,1 und einem Volumen von 300 m³ hat der Volumenstrom eine Wert von 3,1 X 300 = 930 m³/h.

Die Leckagefläche von von 500 cm² (= 500/10000 = 0,05 m²) hat bei einer mittleren Strömungsgeschwindigkeit von 2 m/s an diesem Volumenstrom einen Anteil von 0,05 X 2 = 0,1 m³/s. Das sind 0,1 X 3600 m³/h = 360 m³/h.

Ein Abdichten der Leckstelle würde den Volumenstrom somit auf 930-360 = 570 m³/h reduzieren. Wenn man diesen wieder durch das Volumen von 300 m³ teilt, kommt man auf einen n50-Wert, der bei 1,9 1/h liegt. Die Aussichten sind also gut.

Ich möchte mal einen sehen, der so einen Rechengang mal eben so auf der Baustelle anstellt!
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Alt 01.07.2012, 17:13   #3
H. Trauernicht
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Standard Zu Frage 1

Bei einem beheizten Gebäude stellt sich wegen der Thermik unten ein Unterdruck und oben ein Überdruck ein. Die druckneutrale Zone einer Fassade dürfte die Ebene sein, in der die Druckdifferenz innen zu außen 0 ist.
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Alt 03.07.2012, 10:48   #4
H. Trauernicht
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Standard Zu Frage 4 und 5

Der Strömungsexponent n gibt die Steigung der Geraden in der Grafik an.
- Werte Richtung 0,5 weisen auf turbulente Strömung hin
- Werte Richtung 1 auf laminare Strömung.
- ist n größer 1 oder kleiner 0,5 haben sich während der Messung Leckagen in ihrer Größe (Querschnitt) verändert. Das heißt Öffnungen verändern
sich mit Änderung der Druckdifferenz. Hier muss man checken, woran das
liegen könnte.

Aus dem Buch:
Bauphysik, Bau und Energie von Zürcher und Frank kann ich folgendes zitieren (was mir persönlich sehr gut gefällt):

"Bei einer gegebenen Druckdifferenz hängt die Art der Strömung von
der Grösse und der Form der einzelnen Öffnungen ab. Für relativ große
Durchlässe wie z.B. Lüftungsschlitze und große Fugen bei schlecht dichtenden Fenstern ist die Strömung normalerweise turbulent, und der resultierende Volumenstrom ist proportional zu Delta p^^0,5 (n von 0,5)
Für sehr enge Ritzen und Spalten mit relativ langen Strömungswegen wie
Risse im Mörtel oder Fugen bei gut angepassten Fenstern wird die Strömung primär durch die Zähigkeit der Luft bestimmt, ist also im wesentlichen laminar und proportional zu Delta p^^1 (n von 1)."

Bei unseren Messungen liegt n irgendwo um 0,6 - 0,7 (mehr oder weniger).
Bei ganz dichten Gebäuden, wie Passivhäusern kann man gelegentlich ein
n von 0,8 oder 0,9 haben.

(kopiert aus Beitrag http://www.luftdicht-forum.de/showthread.php?t=583)
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Alt 03.07.2012, 11:01   #5
H. Trauernicht
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Standard Und schließlich zu Frage 3

Es handet sich um eine um eine große Leckstelle, die dokumentiert werden muss, siehe DIN EN 13829 Kapitel 5.3.1

http://www.luftdicht.de/din13829.htm
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Alt 03.07.2012, 11:12   #6
bdr53227
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Vielmals herzlichen Dank für die Hilfe.
Ich denke, jetzt dürfte ich gut vorbereitet sein. Hoffen wir also mal, dass alles klappt und ich keinen Prüfungsblackout habe.
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Alt 03.07.2012, 13:02   #7
H. Trauernicht
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Bitte sehr,

ich wünsche Ihnen Erfolg und 53227 Bdr-Messungen!

Um gefunden zu werden, kann ich Ihnen die Luftdicht-Karte empfehlen:

www.luftdicht-karte.de
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Alt 10.10.2014, 09:37   #8
EnbeTec GmbH
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Lächeln Zertifizierungsfragen

Zitat:
Zitat von H. Trauernicht Beitrag anzeigen
Bei einem beheizten Gebäude stellt sich wegen der Thermik unten ein Unterdruck und oben ein Überdruck ein. Die druckneutrale Zone einer Fassade dürfte die Ebene sein, in der die Druckdifferenz innen zu außen 0 ist.
Hallo,
ich habe auch noch eine Frage zur Zertifizierung aus dem Frage Katalog des FLIB´s

Wie wird bei der Luftdurchlässigkeitsmessung nach DIN EN 13829 die erzeugte Gebäudedruckdifferenz in der druckneutralen Zone ermittelt? (Gemeint ist hier der Druck bei laufendem Gebläse.)

Ist hier die Einheit gefragt? Wie lautet die Antwort?
EnbeTec GmbH ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.10.2014, 14:07   #9
H. Trauernicht
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Bei laufendem Gebläse dürfte es nach meinem Verständnis keine druckneutrale Zone geben. Ich habe den Fragenkatalog nicht vorliegen.
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Alt 10.10.2014, 16:07   #10
H. Trauernicht
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Die druckneutrale Zone ist hier gut erklärt:

http://www.blowerdoor.de/fileadmin/p...blowerdoor.pdf

Und zwar auf Seite 26. Am besten mal die Suchfunktion bemühen.

Ist Ihnen in der DIN13829 die "druckneutrale Zone" begegnet? Wenn ja, wo?
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