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Normen, Vorschriften, Urteile Normen, Vorschriften und Gerichtsentscheidungen, die zum Thema Luftdichtheit von Bedeutung sind.

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Alt 16.11.2010, 18:55   #1
springe
Benutzer
 
Registriert seit: 06.05.2010
Ort: Mainz
Beiträge: 16
Standard Ermittlung Luftvolumen

Hallo,

der FLiB schreibt in seinem Beiblatt zur DIN EN 13829 folgendes:
Man kann die Luftwechselrate n50 mit Hilfe des abgeschätzten Luftvolumens nach EnEV ermitteln, wenn der einzuhaltende Grenzwert (n50 <= 3 1/h für Gebäude ohne Lüftungsanlage bzw. n50 <= 1,5 1/h für Gebäude mit Lüftungsanlagen) um mindestens 30 % über- oder unterschritten wird.

Arbeitet jemand mit dieser Vorgehensweise bzw. hat evtl. schon schlechte Erfahrungen gemacht, weil dies beanstandet wurde? Ist der FLiB im rechtlichen Sinne relevant, so dass man sich auf oben genanntes Beiblatt beziehen könnte?

Danke und Gruß,
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Alt 17.11.2010, 09:09   #2
H. Trauernicht
Administrator
 
Registriert seit: 20.06.2007
Ort: Sehnde bei Hannover
Beiträge: 1.706
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Daumen hoch

Dieser Vorschlag, eine ohnehin vorhandene Volumenermittlung zu übernehmen, ist sehr verlockend. Ich hänge gerade an einer Volumenausrechnung für ein sehr verwinkeltes Haus mit 7 Gauben. Direkt angewandt habe ich die 30% Regel noch nicht. Ich habe aber im Hinterkopf, dass es sich nicht lohnt auf den letzten m³ zu achten, wenn der Abstand zu einem einzuhaltenden Grenzwert groß genug ist.

Wichtig ist, die Volumenermittlung nachvollziehbar zu dokumentieren.
__________________
Motto: Nicht Quantität zählt, sondern Qualität!
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Alt 17.11.2010, 11:12   #3
KPS
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 27.07.2007
Ort: Erfurt
Beiträge: 256
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Standard

Im zitierten Beiblatt 1 ist auch verankert, dass in den Fällen der Verwendung fremd gerechneter Volumina der Prüfer gehalten ist, die Korrektheit aller verwendeten Maße stichprobenartig zu überprüfen.

Das schließt zwangsläufug die Nachvollziehbarkeit der kompletten Berechnungen mit ein.

In diesbzgl. überschaubaren Einzelfällen habe ich die 30%-Regel in der Vergangenheit angewandt, bin zwischenzeitlich jedoch wieder davon abgekommen ... und nehme nun am Prüfobjekt selbst alle erforderlichen Originalmaße ab. Den Nachweis der aufgemessenen Werte sowie das daraus manuell errechnete Volumen bewahre ich (handschriftlich) auf.

Bislang hat noch nie jemand die Art der Volumenermittlung hinterfragt.
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Alt 19.11.2010, 13:33   #4
alpino
Benutzer
 
Registriert seit: 07.11.2009
Ort: München
Beiträge: 34
Standard Din V 18599

Nach der DIN V 18599 kann das Netto-Volumen (= Netto-Grundfläche x mittlerer Raumhöhe, dies entspricht u.a. der Berechnungs-Regel der EN 13829) auch über die Vereinfachung "0,8 x Brutto-Volumen" berechnet werden.

Natürlich ist diese Art der "Berechnung" wesentlich ungenauer als eine detaillierte Einzel-Berechnung. Wer die Regelungen zur einhaltbaren Genauigkeit in der EN 13829 aufmerksam liest, findet dort u.a.:

"8.2 Bezugsgrößen
Die Genauigkeit von Bezugsgrößen kann durch Fehlerfortpflanzungsrechnung abgeschätzt werden. Typischerweise wird die Unsicherheit zwischen 5 % und 10 % liegen."

Im Folgetext heißt es dann:

"8.3 Gesamtunsicherheit
Für eine Druckprüfung nach der vorliegenden Norm kann die Gesamtunsicherheit der abgeleiteten Größen, die in 6.3.1, 6.3.2, 6.3.3, und 6.3.4 beschrieben werden, durch Fehlerfortpflanzungsrechnung abgeschätzt werden. Die Fehlerrechnung sollte alle Unsicherheiten der ins Endergebnis eingehenden Größen umfassen.
ANMERKUNG Bei windstillem Wetter wird die Gesamtunsicherheit in den meisten Fällen kleiner als ± 15 % sein. Bei windigem Wetter kann die Gesamtunsicherheit ± 40 % erreichen."

Nach EN 13829 wird damit offensichtlich eine Gesamtunsicherheit von +-40 % toleriert. Dies sollte man im Hinterkopf haben, wenn man sich über die Genauigkeit der Volumenberechnung Gedanken macht.

Ich bin bei Messungen, welche sehr nahe am einzuhaltenden Grenzwert liegen (z.B. 0,62 oder 0,58 bei einem Passivhaus) immer sehr genau bei der Berechnung der Parameter.
__________________
Ich kümmere mich um die Zukunft, denn ich beabsichtige den Rest meines Lebens darin zu verbringen

Geändert von alpino (22.11.2010 um 14:59 Uhr).
alpino ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.11.2010, 13:44   #5
alpino
Benutzer
 
Registriert seit: 07.11.2009
Ort: München
Beiträge: 34
Standard

an springe bezüglich FLIB:

Der FLIB ist ein privater Verein, der zwar Großes geleistet hat (sehr gut bebilderte Ergänzung zu den Bildern in der DIN 4108-7), vertritt aber eben nur die Meinung seiner Mitglieder. Am Beispiel der unterschiedlichen Stellungnahmen des FLIB zur "Anbnahme-Messung nach EnEV" kann man auch sehr schön beobachten, dass sich diese durchaus im Laufe der Zeit auch radikal ändern kann.

Das Beiblatt ist sicher ein Indiz dafür, dass kompetente Fachleute diese Meinung vertreten; aber als Nachweis einer "anerkannten Regel der Technik" wäre ich eher vorsichtig. Es genügt wohl auch nicht als elleinige Grundlage für ein (gerichtsfestes) Gutachten zur Luftdichtheit.
__________________
Ich kümmere mich um die Zukunft, denn ich beabsichtige den Rest meines Lebens darin zu verbringen
alpino ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.11.2010, 17:02   #6
springe
Benutzer
 
Registriert seit: 06.05.2010
Ort: Mainz
Beiträge: 16
Standard

Danke an alle, die geantwortet haben! Ich fürchte auch, dass das Flib-Beiblatt zwar sinnvoll, aber rechtlich (im Fall der Fälle) nicht zwingend belastbar ist.
springe ist offline   Mit Zitat antworten
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